Aktuelle Impulse

Zuflucht

In diesen Tagen rückt ein Ort in den Mittelpunkt, der uns einlädt, dass wir dorthin unsere Zuflucht nehmen in all unseren Nöten: Bethlehem – zu Deutsch: “Das Haus des Brotes”.

Hier, ganz tief in uns, im Beginn, finden wir, wonach wir suchen:
ER ist es, der gekommen ist, um alle Lebewesen zu retten, um alle Ego-Fesseln zu lösen, um uns die Wahrheit in Liebe zu lehren und uns den Weg zu zeigen, auf dem wir eins werden mit Ihm.
So lassen sich die uns vertrauten Gelöbnisse vielleicht übertragen.

Ich wünsche uns ganz herzlich, dass wir uns verbunden wissen mit der Sehnsucht nach erfülltem Leben, die jedem Menschen innewohnt.
Das Fest der Weih-Nacht drückt diese Sehnsucht aus und will sie erfüllen – über die Grenzen von Religion, Sprache und Herkunft hinweg.    

P. Paul

Fotos Inge Hausen-Müller

Warten am Nullpunkt

Auf die Frage, was die Zukunft wohl bringen wird, antworten viele Zeitgenossen wohl nicht mit erfreulichen Erwartungen – und es scheint, dass sie dazu ja allen Grund haben. Auch die Medien überbieten sich Tag für Tag in der Dramatik der Darstellung und geben dadurch dem inneren Dramaturgen, der in jedem Menschen lauert, reichlich Stoff. Nüchterne Fakten emotional anzureichern und daraus fast schon ein Weltuntergangs-Szenario zu gestalten, dieses Talent scheint irgendwie zum Menschsein dazu zu gehören.

Natürlich sind die momentanen Ereignisse dazu angetan, im kollektiven Bewusstsein die Not vergangener Zeiten wieder lebendig werden zu lassen. Gerade bei älteren Menschen lebt die Erinnerung an selbst erlebte Kriegszeiten auf, und sie leiden darunter. Dazu kommt die Ohnmacht in der Frage, was ich jetzt tun soll, ob ich überhaupt etwas tun kann im Angesicht eines unerlösten Auseinander-Driftens, das sich bereits in vielen gesellschaftlichen Gruppierungen abzeichnet. Ist Resignation die einzige Lösung?

Der Advent verdammt nicht zum Warten: Er lädt dazu ein. Wenn wir uns in guter innerer und äußerer Haltung setzen, werden wir selbst zum Symbol des Nicht-Machens, der Erwartung. Dies kann bereits Teil einer Antwort sein, gerade wenn die Ver-zweif-lung zu siegen droht. Aber auch in der Stille ist es ja oft, als ob da vor mir eine eiserne Wand wäre, als ob ich eingezwängt wäre in ein Nicht-mehr-zurück-können und Nicht-wissen-wie-es-weitergeht. Manchmal fühlt es sich an wie ein Nullpunkt. Es ist nicht angenehm dort, eher zum Weglaufen, und doch: Warten, Aushalten lohnen. Denn gerade hier, am Nullpunkt, kann etwas Neues beginnen.

Es ist wie mit dem Atem. „Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, üben Sie das Ausatmen“, sagte mir kürzlich eine Therapeutin. Wie wunderbar – etwas üben, das mir sozusagen eingeboren ist, dem ich bisher zu wenig Aufmerksamkeit schenkte und das gegenüber dem Einatmen „zu kurz kommt“ aus Angst, der Atem könnte mir stocken! Und wenn ich wirklich einmal, ohne einzugreifen, ganz ausatme, den Atem gehen lasse, dann werde ich merken, dass da nicht sofort das Einatmen kommt, sondern eine (kleine? große?) Pause entsteht. Da ist nichts. Null. Pures Warten. 

Diese Pause passt zum Thema des Wartens. Vielleicht muss ich das „Nichts“, den „toten Punkt“, immer wieder gründlich kosten, um fähig zu werden, das zu empfangen, was ich mir nicht ausgedacht habe. Solange ich alles unter Kontrolle habe, hält sich meine Erwartung in Grenzen: Was soll ich schon bekommen, wenn ich fast alles habe? Habe ich nichts, habe ich mein eigenes Nichts gespürt, dann kann Großes an mir geschehen.

Advent und Weihnachten gründen im jüdisch-christlichen Glauben daran, dass Gott „nachtaktiv“ ist, dass er handelt, wo eigentlich nichts mehr zu erwarten ist, wo fast alle Hoffnung gestorben ist. „Mehr als die Wächter auf den Morgen wartet meine Seele auf Gott“, heißt es in einem bekannten Psalm. Und in der Christmette im Dunkel der Heiligen Nacht erklingen die Worte: „Das Volk, das im Finstern lebt, sieht ein helles Licht.“ Sowohl in den alt- wie neutestamentlichen Geschichten spielen Menschen die Hauptrolle, die auf eine rational nicht erklärbare Weise Großes erwarten vom unendlichen Gott.

Worauf also warten wir? Auf mehr als wir denken, begreifen können. Und – das Warten ist es schon. Denn darin bin ich Teil der auf Frieden, auf Erlösung wartenden, der nach Heimat ausschauenden Menschheit. In der täglichen Übung begebe ich mich immer wieder neu in die Bereitschaft, dass „es geschehen“ kann. Dass durch alle Not und alles Leid dieser Zeit eine neue Schöpfung geboren werden kann – wie ein neuer Atem, der alle und alles durchflutet.

Das wünsche ich Ihnen für die kommenden Tage – dass wir, inspiriert durch das Sitzen in der Stille, unsere Seele weit machen. Dass Platz darin ist für alle und alles, was sich am Nullpunkt weiß und sich nach Neuwerden ausstreckt. Und wenn Sie gemeinsam sitzen – zu Hause, in Ihrer Gruppe, in Zazenkais oder einem Sesshin – dann wird das gemeinsame Schweigen zu einem starken und stärkenden Zeichen des Unsagbaren, das allen zuteil werden soll.

Herzlich verbunden
P. Paul

Fotos Inge Hausen-Müller

Verantwortung übernehmen – ein Dank

Wer einmal die Stille wirklich geschmeckt hat, z.B. in einem längeren Sesshin, der mag angezogen sein durch das Wunderbare, das sich wie eine Herz-Berührung mitteilen will. Und das ist gut so.
Die Erfahrung von grenzenloser Weite, von „Leere“, von unendlicher Liebe und Barmherzigkeit ist grundlegend für den Wandlungs- und Reifeweg des Menschen. Und dann?
Je eindrücklicher das Erfahrene, desto gefährlicher ist die Versuchung, dabei stehen zu bleiben.
„Im Absoluten hilfst du niemandem!“, sagte mir P. Johannes.
Der Alltag wartet schon und ist nicht der Übung abträglich, kein Feind der Stille, sondern Gelegenheit dafür, das erhaltene Geschenk weiterzugeben, zu realisieren, Verantwortung zu übernehmen.

Und das geschieht an vielen Orten und in vielen Momenten: Familie, Beruf, Gesundheit und Krankheit. Und zuvor noch in dem Bemühen, einfach gegenwärtig zu sein. Dem empfangenen Licht in mir nicht im Wege zu stehen. Sprechen, mich mitteilen aus der Mitte heraus, so wie ich bin. Klar machen, wo und wofür ich stehe. Und ständig damit rechnen, dass die Dinge nicht „nach Plan“ laufen, sondern das „Mögliche und Wunderbare“ sich überraschend Bahn brechen kann.

Nach 50 Jahren Programm „Leben aus der Mitte – Zen-Kontemplation“ danke ich den vielen, die ihre Verantwortung darin gesehen haben, dass wir diesen „Schatz im Acker“ heute weitertragen dürfen: All denen gilt mein Dank, welche das Geheimnis des Lebens durch die Jahrhunderte hindurch mit ihrem Leben bezeugt haben, in der christlichen wie in der zen-buddhistischen Tradition.
Natürlich P. Johannes und Marianne Krenz, Yamada Roshi und P. Lassalle, dem für das Programm von Anfang an offenen Bistum Essen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ersten Stunde.
Ich danke allen, die nach dem Heimgang von P. Johannes daran geglaubt haben, dass es „weitergeht“ und allen, die auch jetzt in den unvorhersehbaren Umbrüchen (Covid, Verkauf des Kardinal-Hengsbach-Hauses) dabeigeblieben sind. Ich danke meinen Mit-Zen-Lehrern und Assistentinnen und Assistenten. Ohne sie würde ich mich nicht in der Lage sehen, das „Joch“ zu tragen.

Ich danke Gudrun Sommer im Büro des Programms. Sie hat in den letzten Monaten wohl am meisten die Störfeuer und zusätzlichen Mühen der gelaufenen und noch anstehenden Veränderungen zu spüren bekommen. Zu diesen Veränderungen, dass ab dem 1. Juli Frau Ute Schäfer ihren Dienst begonnen hat. Sie arbeitet für das Bistums-Team „exercitia“ – und zu einem Viertel ihrer Zeit für unser Programm. Nach und nach wird sie von Gudrun Sommer organisatorische Aufgaben übernehmen und z.B. auch für die steuerrechtlich kompliziert gewordenen Abrechnungen sorgen. Ihr Büro ist in Hattingen-Welper – dort, wo in den nächsten Monaten der Pfarrsaal zum „Raum der Stille“ umgestaltet wird, den dann auch wir v.a. für unsere Zazenkais nutzen werden. Zurzeit ist die Einweihung des Raumes geplant am Montagabend, dem 19. Dezember. Bitte den Termin vormerken und schon jetzt eine herzliche Einladung dazu!

Gleichzeitig hat sich im Kreis der Mitarbeitenden eine Gruppe gebildet, die in nächster Zeit für bestimmte Aufgaben Verantwortung übernehmen wird.
Ich danke Inge Hausen-Müller, die seit vielen Jahren unsere Homepage betreut (und darauf wartet, dass diese inhaltlich überarbeitet wird …).
Ich freue mich, dass wir so, die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt, in die Zukunft gehen können.

Zum Schluss noch ein ganz großer Dank an alle, die im Freundeskreis ihre Solidarität mit dem Programm zum Ausdruck bringen. Sowohl die Raummiete für unser Zendo im Kardinal-Hengsbach-Haus wie auch die Personalkosten für unser Büro (dazu gehört auch ein Teil der Personalkosten von Frau Schäfer in Hattingen) wurden und werden durch die Spenden des Freundeskreises finanziert. Ich danke Ulrike Gattineau, Stephanie Hahn und Franz Otto, die als erste und zweite Vorsitzende und als „Schatzmeister“ die Hauptlast der Arbeit in den letzten Jahren getragen haben und die sich auf der Mitgliederversammlung am 21.09. nicht mehr zur Wahl gestellt haben. Ich danke Michaela Kasper, Beate Schuhmacher und Josef Höllwart, die sich bereit erklärt haben, diese Verantwortung zu übernehmen und gewählt wurden.

Mir ist beim Schreiben dieser Zeilen noch einmal sehr bewusst geworden, wie wertvoll das „WIR“ ist. Es nährt sich aus dem inneren Weg, für den „Leben aus der Mitte – Zen-Kontemplation“ Inspiration und Raum bieten will. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Dann danken wir gemeinsam.

P. Paul   

Fotos: Inge Hausen-Müller

Wir

Pfingsten ist ein Wir-Ereignis. Es geht nicht nur um die wenigen Menschen, die vor 2000 Jahren die Erfahrung von Verwandlung machen durften. Plötzlich verschwanden Angst, Verschlossenheit und Zweifel. Mut erfüllte sie, Leben in Fülle strahlten sie aus, bisher Fremdes verstanden sie nun. Jedoch: Was ihnen zuteil wurde, gilt allen zu aller Zeit, der ganzen Schöpfung. Wie ein belebender Regen, der alle und alles berührt und zum Erblühen bringen will. Was... Artikel ansehen

“Verwurzelung” …

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