Aktuelle Impulse

Veranstaltung im Medienforum des Bistums Essen

Dienstag, den 18. Dezember 2018
19:30 – 22:00 Uhr

„Gebet als Selbstgespräch – Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir“
Medienforum des Bistums Essen, Zwölfling 1, 45127 Essen

Präsentation des letzten Buches des Zen Meisters P. Johannes Kopp SAC (1927-2016)
Lesung und Gespräch mit Dr. P. Paul Rheinbay SAC, Vallendar
Gesprächspartner:
• Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck
• Dr. P. Paul Rheinbay SAC, Leiter des Meditationsprogramms „Leben aus der Mitte” im Bistum Essen
• Msgr. Dr. Michael Dörnemann, Leiter des Dezernates Pastoral im Bistum Essen

In der Tradition der Mystik beschreibt der 2016 verstorbene Palottiner-Pater und Zen-Meister P. Johannes Kopp SAC (1927-2016), wie sich die christliche und buddhistische Tradition gegenseitig inspirieren und damit einen neuen spirituellen Weg weisen können. Er lädt ein, das Gebet aus dem Herzen heraus zu begreifen und sich auf den von christlicher Mystik und Zen-Tradition gewiesenen Weg existentieller Verwandlung einzulassen. Nachvollziehbar vermittelt er die Gestalt des Gebets als Selbstgespräch, stellt dar, wie eine Zwiesprache mit Gott auch immer im Selbst stattfindet und bietet Ansätze zum Nach-Sinnen und Nach-Fühlen.

Eintritt frei – um Voranmeldung wird gebeten:
Medienforum des Bistums Essen
Zwölfling 1, 45127 Essen, Tel.: 0201/2204-74
medienforum@bistum-essen.de

DU

Sommerzeit, Wärme, Ferien, Begegnungen im Freien, zwanglos sich ergebende Gespräche, Zeit füreinander.
Wir sind auf Dialog hin angelegt, auf das fließende Hin und Her des Austauschs, aufs Hören und Verstanden-Werden.
Das Instrumentarium dafür ist nicht nur das sachliche Medium der Sprache – es ist eine Freude, den anderen ganzheitlich wahrzunehmen, mit der Folge, dass er immer weniger der Andere ist und immer mehr zum Nächsten wird.
Der Ausdruck „Nächste/r“ beinhaltet, dass es nicht um ein Bild geht, das ich mir vom Gegenüber gemacht habe; dass es vielmehr um das konkrete Hier und Jetzt der Situation geht, in der die Verbundenheit, das Miteinander, bereits angelegt ist und nur darauf wartet, sich entfalten zu können.

Dass der Mensch am Du zum Ich wird, erkannte schon Martin Buber. Die jüdische wie die christliche Tradition verbinden mit dem Du die vertraute Ansprache der unendlichen Wirklichkeit.
Weltweit steht dafür das Du des „Vater unser“, in dem Menschen Gott mit dem innigen „Abba“ ansprechen, wie Jesus selbst es getan hat. Dabei geschieht keinesfalls, noch weniger als im mitmenschlichen Dialog, eine Trennung zwischen Ich und Du. Vielmehr lässt sich dieses Du als ein liebender Resonanzraum beschreiben, in den hinein das Ich des Betenden sich gibt und aus dem heraus er sich empfängt, alle Worte übersteigend, so wie es im lebendigen Rhythmus des Atems geschieht. „Gebet als Selbstgespräch“, wie Pater Johannes es benannte.

Auch das Zen-Sitzen in der Stille ist nicht auf ein Du-loses Ich konzentriert. Die Aufmerksamkeit fokussiert sich auf die Instanz des Inneren, die größer ist als alles Begreifen und die darauf wartet, ohne Worte angesprochen zu werden.
Ein reales Bild dafür ist der Grund, dem der Meditierende sich überlässt. Je mehr er sich dem konkreten Boden anvertraut, umso deutlicher wird die Wirklichkeit des tragenden Grundes, der nicht nur unter den Füßen, sondern im Gesamt des Spürens einfach da ist.

In vielen Koans leuchtet dieses dialogische Prinzip durch in Form von kurzen Gesprächen. So ruft Meister Zuigan im 12. Koan der Mumonkan-Sammlung sich jeden Morgen „Meister“ zu und antwortet selbst darauf mit „Ja“. Muss er sich etwa auf diese Weise daran erinnern, dass er ein „Meister“ ist? Keinesfalls. Mit der Ansprache „Meister“ übergibt er sich mit Haut und Haaren jener Instanz, die immer meisterlicher ist als er selbst; er verschwindet quasi mit seinem begrenzten Ich im Du, das jegliches Ich umgreift. Das darauf folgende Ja ist die Resonanz, die Bestätigung, die ihm aus diesem Raum entgegenkommt. Es ist ein Ja, das aus dem Mund der ganzen Schöpfung ertönt. In einem solchen Dialog vertieft sich das Eins-Sein. Der Rufende wird „ganz wach“.

Ich wünsche uns von Herzen Freude im Miteinander, im Treffen von Freunden, im alltäglichen Lösen von Fragen, Problemen und Spannungen, im überraschenden Hören des Du, das mich ganz meint und anspricht. Ich wünsche uns in der Freizeit die Freiheit, immer wieder in der Stille einfach da zu sein, uns zu verschenken und wahrzunehmen, was uns aus der Stille entgegenkommt.

P. Paul

 

Fotos: Inge Hausen-Müller

Soulfood

 

Afroamerikaner gaben ihren Kochkünsten diesen schönen Namen – Soulfood.
Wörtlich genommen steht er dafür, dass kein Mensch allein vom Brot lebt, dass die Seele Nahrung braucht, Hunger hat. Wie beim Leibe auch, ist es nicht gleichgültig, womit der Mensch versucht, diesen Hunger zu stillen. Wir wissen heute viel darüber, wie wir uns „richtig“ ernähren können. Wir wissen auch viel darüber, was die Seele „aufbaut“, was ihr wirklich gut tut. Die Übung der Stille gehört für viele Menschen zum gesunden Tagesmenü. Sie ist freilich kein kurzfristiges, kein Fast-Food-Programm. Die Treue zu ihr macht jedoch empfänglich dafür, wie sehr im Inneren Hunger und Nahrungsangebot einander entsprechen.

Für Christen eröffnet sich hier ein wunderbarer Blick auf die Feier der Eucharistie, des Abend-Mahles. Der Name des katholischen Festes Fronleichnam aus altdeutscher Zeit stellt heute diesen Bezug (leider) nicht mehr verständlich her. Wörtlich meint es: den Leib (licham) des Herren (fron).
Was am Donnerstag vor Osten mit Blick auf das Kreuzesgeschehen eher in stiller Dankbarkeit erinnert wurde, die Vergegenwärtigung Jesu in der Gabe von Brot und Wein, wird jetzt (wieder an einem Donnerstag – nach Pfingsten als Abschluss der Osterzeit) in großer Freude gefeiert und auf die Straßen, in die Wege unserer Welt getragen.
Das Fest als solches geht auf das späte Mittelalter zurück. Das darin ausgedrückte Bewusstsein, dass wir in der Gemeinschaft glaubender und vertrauender Menschen nicht nur den Leib Christi in der Eucharistie empfangen, sondern dass wir selber dieser Leib sind – dieses Selbstverständnis war schon der frühen christlichen Gemeinde zu eigen. Sie nannte sich selbst den realen, den wirklichen, sichtbaren Leib Christi, der durch die Feier der Eucharistie aufgebaut, ernährt und zusammengehalten wird. „Empfangt, was ihr schon seid und werdet, was ihr empfangt“, rief Augustinus, Bischof im nordafrikanischen Hippo, Kindern in einer Predigt zu.

Wie sehr das WIR auch in der Stille bestärkend wirkt und eine Gemeinschaft von schweigenden Menschen einander vertraut wird, das durften über die Pfingsttage wieder Teilnehmer unseres Programmes erleben: Fast parallel in Essen und Rom (dort mit vielen jungen Menschen!) fanden Sesshins statt. Peter Sommer, Cloud of Transparency (durchscheinende Wolke), leitete zum ersten Mal einen mehrtägigen Zen-Kurs. Er wurde im vergangenen Jahr in Essen zum Diakon geweiht und wird – so sein offizieller Auftrag des Bistums – das gottesdienstliche Geschehen in den Sesshins mitgestalten. Es ist sein großes Anliegen, Eucharistie und Zen immer tiefer miteinander zu verbinden, wie es auch in seiner theologischen Abschlussarbeit (erhältlich auf dem Büchertisch des Zendo) zum Ausdruck kommt.

Noch ganz frisch sind die Eindrücke vom Ausflug des Freundeskreises nach Kevelaer, wo P. Johannes seit den 70er Jahren Exerzitienkurse und Sesshins gehalten hatte. Seitdem die Clemensschwestern das Haus aufgegeben hatten (2005), war dieses von der Caritas zu einem riesigen Lebenszentrum für Menschen mit den unterschiedlichsten Einschränkungen umgebaut und erweitert worden. Zwei Schwestern aus der Münsteraner Gemeinschaft sind mittlerweile wieder dort im Dienst, so dass wir eine fachkundige Führung hatten und in der erhaltengebliebenen Kirche Gottesdienst feiern konnten. Der Besuch eines in freier Natur gelegenen, typisch niederrheinischen Café-Restaurants rundete den Tag ab.

Wer es (vielleicht in zunehmender Intensität) erlebt, wird es nicht mehr missen wollen: Soulfood.
In Stille und Begegnungen sind wir eingeladen, einander zur Nahrung zu werden.

P. Paul

 

Fotos: Inge Hausen-Müller

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