Archive

Bitte beachten!

AB SOFORT und bis auf Weiteres keine Meditationen an den Dienstag- und Donnerstagabenden im Kardinal-Hengsbach-Haus! Kein Zazen-kai am 7. April!

Hinweise von P. Paul für das am 4. April beginnende Ostersesshin finden Sie hier:
Download

Hinweise der Zenlehrer Guido Quinkert und Peter Sommer für die Teilnehmer der Meditationen an den Dienstag- und Donnerstagabenden finden Sie hier:
Download
Die Impulse der beiden Zenlehrer bekommen Sie nach Anmeldung im Büro rechtzeitig zu den Abendmeditationen. Zeitversetzt werden sie später auf der Seite des jeweiligen Kursleiters veröffentlicht.

Wach gerüttelt

Es ist uns vertraut: Beim abendlichen Mahnruf eines Sesshins steht der Assistent/die Assistentin im Eingang des Zendo und ruft: Seid wachsam! Jetzt aber ruft die ganze Welt: Seid wachsam! Bei vielen Menschen geht der Ruf unter die Haut, wirbelt Sicherheiten durcheinander, macht Planungen zunichte, rüttelt und schüttelt.
„Ich kenne mich nicht mehr aus, muss schauen, wohin der nächste Schritt führt, was rechts und links ist“, sagte mir jemand. Wie hineingedrückt, „gepusht“ ins „Nur Jetzt“.

Heute, da ich dies schreibe, ist der kirchliche Festtag „Maria Verkündigung“, 25. März – neun Monate vor Weihnachten. Maria erhält die Verheißung des Geistes, der in ihr Fleisch annehmen soll. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht, wie das gehen soll. Von „Überschatten“ ist die Rede – gar nicht unähnlich dem, was wir heute „Schattenarbeit“ nennen. Zurückgeworfen auf uns selbst, schauen wir in den eigenen Spiegel – herausgefordert, uns anzunehmen, ganz und gar.

Wie ein roter Faden ziehen sich durch die Bibel Geschichten, in denen Gott Menschen ins Ungewisse sendet. Abraham, Mose, Elija, Jesus der Gekreuzigte, Paulus… Ohne doppelten Boden, ohne Rückfahrkarte. Glauben als Antwort auf diesen Ruf besteht darin,  den Ruf zu hören und die Ungewissheit auszuhalten.

Das ist nicht einfach, auch nicht in der jetzigen Situation: Es gibt so viele Versuche, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen, die Sache wieder in den Griff zu bekommen. Zahllose Texte und Bilder fluten zurzeit das Netz, die, gut gemeint, helfen wollen – bis hin zu Vorstellungen, wie sich wohl unsere Welt „danach“ geändert haben wird. Bis hin auch zu der sich steigernden Abhängigkeit von stets neuen, aktuellen Informationen, wie sich die Krise weltweit entwickelt.

Wie wäre es stattdessen, in der Weite des „Ich weiß es nicht“ zu bleiben? Kann ich der Versuchung eines vermeintlich sicheren Wissens widerstehen, das sich vielleicht schon morgen als trügerisch erweist?
Die Devise ist: Stay at home, bleib zu Hause, „lebe innen“, wie eine Tageszeitung mehrdeutig titelte. Das heißt: Zuflucht nehmen, mich binden und verwurzeln in der Wirklichkeit, die bleibt und aus der heraus ein erneuertes menschliches, globales und solidarisches Bewusstsein werden will. Und in diesem Bewusstsein leben und handeln, immer wieder jetzt, jetzt, jetzt …

Mitten in dieser Zeit, am 20. März, ist Willigis Jäger gestorben. Gemeinsam mit P. Johannes war er Schüler von Yamada Roshi in Kamakura. Auch wenn sich ihre Wege trennten, P. Johannes sprach in Hochachtung von seiner Fähigkeit, Menschen in die Stille zur Erfahrung grenzenloser Weite zu führen, die wir als unendliche Liebe ansprechen. Unzählige Menschen vertrauten sich seiner Führung an. Sein Tod und seine Beisetzung in aller Stille sprechen zu Herzen. Wir sind verbunden mit der großen Gemeinschaft derer, die sein Werk fortsetzen.

Was also tun oder nicht tun? Vielleicht war es noch nie so wichtig wie heute, dass wir uns in die Stille setzen und uns dabei einander verbunden wissen. Gerade zu den Zeiten, in denen wir sonst miteinander meditieren, wird das Vertrauen, nicht allein zu sein, zu einer großen Hilfe: „… und schließen die ganze Schöpfung ein.“
Auch Gespräche sind wertvoll. Sollten Sie mit einem der Zen-Lehrer persönlichen Kontakt über Telefon aufnehmen wollen, melden Sie sich im Büro. Dort werden wir Ihnen gerne einen Termin vermitteln.

Von ganz besonderer Bedeutung wird in diesem Jahr das Oster-Sesshin sein. Wie können wir unter den gegebenen Umständen diese Mitte unseres christlichen Glaubens leben? Schon jetzt eine herzliche Einladung an alle, sich in den Tagen der Karwoche in die Stille zu begeben, je nach den Möglichkeiten der eigenen Situation. Wir werden auf dieser Seite noch Kernzeiten des Sitzens, Zugangswege zu Impulsen und Kontaktmöglichkeiten beschreiben. Wichtiger ist jedoch noch: Lassen wir zu, dass es geschieht in uns, dass wir uns dem Rütteln nicht widersetzen, nicht davor weglaufen. Dass wir doch neu sehen lernen – die grenzenlose Würde und Schönheit des Lebens mitten in der Verletzlichkeit und Gefährdung all dessen, was oft so „selbstverständlich“ scheint.

Bleiben wir – auf dem Weg!
P. Paul
prheinbay@pthv.de

Fotos Inge Hausen-Müller

Noch einmal neu beginnen

Nach ersten positiven Erfahrungen in der Meditation stellt sich oft die Frage: Wie integriere ich die Zeit der Stille in meinen Alltag? Wie finde ich zum „Täglichen“, das ohne Frage zu meinem Tagesablauf dazu gehört? Wie halte ich durch, wenn Trockenphasen kommen, wenn sich die gewünschten Effekte nicht einstellen wollen, wenn in meiner Lebensgeschichte Dinge geschehen, die mich ganz beanspruchen und das Gedankenkarussell Tag und Nacht antreiben? Wenn es so viel zu tun gibt, dass die vorhandene Zeit dafür einfach nicht ausreicht? Wenn die ungelösten Probleme mich in die Stille verfolgen und im Hinblick auf die Meditation ein „es hat doch keinen Zweck“ auslösen? Wenn ich mir selbst, wie bei nicht eingehaltenen Vorsätzen, die Schuld gebe, es „nicht zu schaffen“?

Beginne neu! Gerade die Erfahrung, es „nicht zu können“, ist dafür wertvoll. Sie nimmt die – gewohnte, aber hier in die Irre führende – Einstellung weg, etwas machen, leisten, können zu wollen, wenn ich mich setze. Und stellt mir meine eigene Hilfsbedürftigkeit vor Augen.
Der gute Wille allein reicht nicht. Hinzukommen muss die Kunst, sich helfen zu lassen. Dabei gilt es, die Spitze der Widrigkeiten des Lebens umzudrehen. Anstatt mir den Weg zu verstellen, können sie zum Motiv werden, mich neu und tiefer zu begründen. Worin? In meinem Wesen, der kostbaren Perle, die unberührt von den Wellen der Ereignisse da ist, gegenwärtig ist.

Manchmal helfen am Beginn einer stillen Zeit Worte, mich in diese Gegenwart vertrauend einzulassen, sie anzufühlen, in ihre Richtung meine Fühler auszustrecken. So formulierte Meister Eckhart, auf dessen Spuren in Erfurt wir im kommenden Jahr unterwegs sein werden:
Wo die Seele ist, da ist Gott, denn die Seele ist in Gott. Das ist so wahr, wie Gott Gott ist.
Sofern ich ungeboren bin, bin ich ewig gewesen, bin ich jetzt und werde ich ewig dauern. Was an mir geboren ist, das wird sterben und zunichte werden.
Darum hat Gott die Welt geschaffen, auf dass Gott in der Seele geboren werde und die Seele in Gott geboren werde.

Im Übergang vom Alltag zur Zeit der Stille werde ich nicht immer solche Worte aus ganzem Herzen mitvollziehen können. Darum geht es auch nicht. Sie wollen die Richtung angeben, wollen die Kräfte in mir wieder wachrufen, die mich einmal dahin geführt haben, ein suchender Mensch zu werden und zu bleiben. Es sind wahre Worte. Sie sind geboren aus der Wahrheit menschlicher Würde und wollen zu dem Bewusstsein führen, aus dem sie entstanden sind.

Was gibt es Wichtigeres in unserer Zeit, in der so viele Gewissheiten hinterfragt werden, als genau das: In sich selbst zu einer unerschütterlichen Gewissheit darüber zu finden, was ungeboren da ist in allem Geborenen, ewig in allem Zeitlichen, unendlich in allem Endlichen!

Wenn also der Weg aus der Praxis der Stille hinausgeführt hat: Lassen Sie sich einladen, noch einmal neu zu beginnen. Nehmen Sie sich einen halben Tag Zeit – das ist kein Luxus. Anfängliche Widerstände sind dabei ganz normal und verschwinden oft schnell. Schauen Sie freundlich in den Spiegel des Inneren. Lauschen Sie auf das „Willkommen“, das von dort kommt. Und lassen Sie uns, gerade jetzt im Zugehen auf Ostern, mehr und mehr zu Hoffenden und Bittenden werden, dass das neue unfassbare Leben sich entfalten kann: in jedem einzelnen und inmitten von „Leben aus der Mitte“.

P. Paul

Fotos Inge Hausen-Müller