Grundgebet

 

Dr. Marlis Müting Shin' un-an

Teisho zum Grundgebet

An jedem Morgen und Abend beginnen und beenden wir unsere gemeinsame Meditation mit dem Grundgebet, Grund genug, ihm heute im Teisho unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Pater Johannes führte es vor vielen Jahren im Programm Leben aus der Mitte ein, wobei es einige Zeit brauchte, bis sich die Teilnehmer daran gewöhnten und es gerne mitsprachen. Heute ist das Grundgebet so etwas wie das Markenzeichen unseres Programms und wird selbstverständlich auch in den Regionalgruppen beim wöchentlichen Zazen vollzogen. Mich selbst begleitet es nun schon seit vielen Jahren beim täglichen Sitzen zu Hause und gibt meiner Übung eine Grundausrichtung, für die ich sehr dankbar bin.

Um die Botschaft des Grundgebetes besser spüren zu können, möchte ich Sie bitten, für einen Moment Ihre rechte Hand auf die Stirn zu legen und diese Berührung auf sich wirken zu lassen.  

                       Im Namen des Vaters, der uns in unendlicher Liebe erschaffen hat,...

Unsere Hand berührt die Stirn, hinter der das Stirnhirn liegt, der jüngste Teil unseres Gehirns, für dessen Entwicklung die Evolution knapp 14 Milliarden Jahre gebraucht hat. Das menschliche Gehirn ist mit seinen Milliarden von vernetzten Nervenzellen die komplexeste Struktur, die wir kennen, ein jedes einzelne davon komplexer als das Weltall, wie mir der Physiker Georg Weckwerth vor einigen Jahren sagte. Menschsein ist ein unglaubliches Privileg. Lassen Sie es sich nicht einreden, nur ein kleiner, bedeutungsloser Mensch zu sein, auf dessen Existenz es in den Weiten des Weltalls nicht ankommt. Vielmehr steckt in jedem von uns das Potential, unsere Wesensnatur zu erfahren und zu erkennen, dass wir das Universum selbst sind. Christlich gesprochen: Wir sind dazu auf die Welt gekommen, damit uns die Augen dafür aufgehen, dass wir Bild und Gleichnis, ja, geliebte Kinder Gottes sind.
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